Ich bin alt genug um beide Seiten zu kennen. Der Firmenwagen meines früheren Arbeitgebers ein 330 oder 335er BMW, den hab ich im letzten Gang in den Begrenzer gedreht, der Tacho stand hinter dem letzten Feld. Fand ich als 30jähriger auch geil, und die A38 zwischen Göttingen und Leipzig war leer. Würde ich heute nicht mehr machen. Nicht nur dass ich nach der Fahrt erstmal nen Schlaf brauchte sondern auch, dass da trotz Weitsicht und dem Versuch, jede Gefahr zu erkennen teilweise hartes Bremsen nötig war - und selbst von 260 auf 180 ist schon krass.
Es gibt genügend Unfälle, wo auch "niemand etwas falsch gemacht hat", "niemand gedrängelt hat" und so, und trotzdem landet einer von beiden (meist der langsame Kleinwagen) im Graben. Ich kenne ungeübte Fahrer, die nur alle paar Monate mal auf der Autobahn unterwegs sind und regelrecht Angst davor haben. Wenn die dann mit 120 kurz nen Blick in den Spiegel machen und zum Überholen ansetzen, können die das nicht einschätzen, wie schnell ihnen jemand auf der Stoßstange hängt, der da mit 250 ankommt. Dann erschrecken sie sich, verreißen, was weiß ich.
Ja, mit genug Übung kann man vorausschauend fahren und erkennt die meisten Situationen wahrscheinlich, ohne dass jemand in Gefahr gerät. Aber wer behauptet, dass diese großen möglichen Geschwindigkeitsunterschiede nicht die Unfallgefahr vergrößern, der denkt über sein "ich will Spaß" nicht hinaus. Die Mehrzahl der Leute freut sich, wie entspannt es sich durch Österreich oder die Niederlande tuckert und sagt, dass das Fahren auf der Autobahn so viel anstrengender wird, sobald man wieder in Deutschland ist. Und da gilt für mich am Ende immer "Gemeinwohl geht über mein Wohl" - auch wenn das bedeutet, dass ich mal irgendwo trotz freier Bahn nur 120 oder 130 fahren darf.