Moin, nachdem ich ja schon im 10.000 km Topic als einer der ersten EV6 Facelift-Fahrer berichten konnte, was ich so am "neuen" mag und nicht mag, kommt nun ein Update nach etwas mehr als einem Jahr und 30.000 km. Das ist zwar schon wieder 3.000 km her, aber ich hatte vorher keine Zeit zum Schreiben. Am 17. Mai hab ich die 30.000 km überschritten:
Inzwischen kenne ich das Auto in nahezu allen Situationen: täglicher Arbeitsweg, Langstrecke, Sommer, Winter, Stadtverkehr, Autobahn und Urlaubsfahrten.
Vorweg das Wichtigste: Ich bin weiterhin sehr zufrieden mit dem EV6 und bereue den Kauf nicht. Trotzdem gibt es einige Punkte, die mich inzwischen mehr stören als zu Beginn – und andere Dinge, die ich heute deutlich positiver sehe als noch beim Kauf. Für die, die mein 10.000er-Resümee nicht gelesen haben, ihr findet es hier:
Meine Erfahrungen mit Ionity und EnBW
Die meisten meiner Langstrecken habe ich zunächst bei Ionity geladen. Technisch funktioniert das natürlich alles fast immer problemlos, allerdings habe ich, wie auch schon damals berichtet, bei Ionity häufig lange gewartet, bis nach dem einstecken des Ladesteckers der Ladevorgang überhaupt beginnt.
Man steigt aus, steckt ein, wartet, schaut auf den Bildschirm, wartet weiter – und irgendwann startet dann endlich die Ladung. In den letzten rund 3.000 km habe ich deshalb bewusst häufiger EnBW genutzt und festgestellt, dass es dort schneller geht.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich bin daher nun weg von Ionity, auch um die teuren Raststättenpreise zum umgehen und der Tank & Rast Mafia nicht noch mehr Geld in den Rachen zu stecken.
Der Kofferraum und ein kleines Alltagsärgernis
Es gibt einen Punkt, der völlig banal klingt, mich aber tatsächlich regelmäßig nervt.
Wenn ich das Fahrzeug verlasse und anschließend noch etwas aus dem Kofferraum holen möchte, kann ich das Auto danach nicht direkt am Heck verriegeln. Das bedeutet: Kofferraum schließen, wieder zurück zur Fahrertür laufen und dort über den Türgriff abschließen.
Das ist keine Katastrophe und sicherlich kein Kaufhindernis, aber es gehört zu den Dingen, die man im Alltag erstaunlich häufig macht und bei denen man sich irgendwann fragt, warum Kia das nicht anders gelöst hat.
Mein größter Kritikpunkt ist die Materialanmutung
Wenn ich einen Punkt nennen müsste, der mich am meisten stört, dann ist es die Innenraumanmutung. Das hatte ich in meinem ersten BEricht, den ich gerade nochmal gelesen haben, gar nicht erwähnt und die Qualität sogar positiv dargestellt.
Mein Fahrzeug hatte einen Listenpreis von knapp 68.000 Euro. Für diese Preisregion hätte ich mir persönlich etwas mehr Wertigkeit gewünscht.
Versteht mich nicht falsch: Der Innenraum ist modern, funktional und ordentlich verarbeitet. Es klappert nichts, alles funktioniert zuverlässig.
Aber emotional holt mich das Interieur nicht wirklich ab.
Gerade wenn man wie ich von Fahrzeugen kommt, die stärker auf ein hochwertiges und/oder modernes Ambiente setzen (Volvo XC60, Tesla MY und M3), wirkt vieles etwas nüchtern und zu plastiklastig. Ich bin jetzt in etwas mehr als einem Jahr 30.000 km gefahren und habe dabei 489 Stunden im Auto verbracht. Da "brauche" ich eigentlich mehr Wohnzimmeratmosphäre..
Das war tatsächlich einer der wenigen Punkte, bei denen ich mehrfach darüber nachgedacht habe, ob ich das Fahrzeug irgendwann wieder abgebe und gegen ein anderes Fahrzeug mit 800-Volt-Technik tausche.
Da ich den Wagen allerdings gekauft habe und nicht lease, werde ich ihn zunächst weiterfahren.
Verbrauch nach 30.000 km
Mein Durchschnittsverbrauch liegt aktuell bei 21,6 kWh pro 100 km. Darin enthalten sind Sommer- und Winterbetrieb, Langstrecken und tägliches Pendeln. Für ein Fahrzeug dieser Größe, Leistungsklasse und Fahrleistungen halte ich diesen Wert für akzeptabel, aber nicht hervorragend.
Das Navi hat mich überrascht
Eine Sache, die ich beim Kauf niemals erwartet hätte: Ich nutze das eingebaute Navigationssystem inzwischen häufiger als Google Maps über CarPlay. Gerade die Suche nach Zwischenzielen funktioniert für meinen Geschmack sehr gut. Wenn man beispielsweise auf der Autobahn unterwegs ist und spontan einen Schnellimbiss, einen Supermarkt oder ein Restaurant entlang der Route sucht, klappt das erstaunlich komfortabel. Auch die Sprachsteuerung funktioniert bei mir deutlich besser, als ich ursprünglich erwartet hatte. Bei meinem 10.000er Review war ich noch unzufrieden. Mittlerweile hat sich das gedreht.
Das Fahrerdisplay wirkt weiterhin etwas lieblos
Was sich leider nicht geändert hat: Ich finde die Gestaltung des Fahrerdisplays weiterhin ziemlich uninspiriert. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich durch Tesla an regelmäßige Software-Updates mit optischen Verbesserungen gewöhnt war.
Natürlich wusste ich beim Kauf, wie die Anzeigen aussehen. Trotzdem hatte ich gehofft, dass Kia im Laufe der Zeit vielleicht etwas mehr Liebe in die grafische Gestaltung steckt. Umso überraschter war ich, als ich erste Berichte zum EV4 gesehen habe und dort viele Elemente sehr ähnlich aussahen. Überraschend, dass es da selbst bei neuen Modellen kein frischeres Design gibt.
Rekuperation: Gut, aber nicht zu Ende gedacht
Die Schaltwippen zur Einstellung der Rekuperation nutze ich inzwischen hauptsächlich dann, wenn ich alleine unterwegs bin. Bei stärkerer Rekuperation entsteht gerade beim Ausrollen auf Ampeln oder Kreuzungen eine Verzögerung, die Mitfahrer häufig als etwas unangenehm empfinden. Deshalb fahre ich die meiste Zeit mit Auto-Rekuperation.
Grundsätzlich gefällt mir das System sehr gut. Was ich jedoch bis heute nicht verstehe:
Warum kann die Auto-Rekuperation das Fahrzeug nicht vollständig bis zum Stillstand abbremsen? Der adaptive Tempomat kann das schließlich problemlos. Für mich wirkt es so, als hätte man die Funktion kurz vor dem Ziel nicht vollständig zu Ende entwickelt.
Klimaanlage
Die gewünschte Wohlfühltemperatur liegt bei mir mittlerweile bei 22 Grad. Am Anfang waren es 23 Grad. In anderen Fahrzeugen fahre ich meist eher zwischen 20,5 und 21 Grad.
Positiv ist allerdings, dass das früher häufig kritisierte Verhalten mit plötzlich sehr kalter Zugluft bei mir inzwischen kaum noch auftritt. Vielleicht kann ich deswegen nun auch 1 Grad kühler einstellen ![]()
Ob Kia hier per Software nachgebessert hat oder ich mich einfach daran gewöhnt habe, kann ich nicht sagen.
Frunk: Ein Thema, das völlig überschätzt war
Vor dem Kauf hatte ich mir erstaunlich viele Gedanken über den Frunk gemacht. Eigentlich wollte ich ursprünglich den Heckantrieb unter anderem wegen des größeren Frunks.
Durch die damalige Liefersituation wurde es dann aber ein AWD. Heute kann ich darüber nur schmunzeln. Ich habe den Frunk in 30.000 km vielleicht zwei- oder dreimal geöffnet, weil ich das Typ-2-Ladekabel eben nicht häufiger gebraucht habe.
Das Ladekabel passt (knapp) hinein und damit ist sein Zweck für mich im Wesentlichen erfüllt. Rückblickend war die Größe des Frunks für meine Nutzung völlig irrelevant, da es so geht. Selbst "kein Frunk" wäre für mich mittlerweile ok, wenn der Wagen dann mehr Platz unter der Ladefläche hat. Die fehlt dem EV 6 GT-Line AWD allerdings (auch).
Erste Inspektion
Die erste Inspektion habe ich rund einem Monat vor den 30.000 km durchführen lassen um kein Risiko hinsichtlich möglicher Garantiefragen einzugehen.
Interessant fand ich, dass die Preise bei den drei angefragten Kia-Händlern nahezu identisch waren. Das hatte ich deutlich unterschiedlicher erwartet.
Die Kosten lagen bei 309 Euro brutto
Winterreifen
Für den vergangenen Winter habe ich mich für Pirelli PZero Wintrer 2 entschieden. Die Reifen waren zwar alles andere als günstig (1.200 €), haben mich aber positiv überrascht. Besonders die Geräuschentwicklung ist sehr angenehm. Subjektiv empfinde ich sie sogar als leiser als meine Sommerbereifung. Auch beim Verbrauch konnte ich keinen dramatischen Unterschied feststellen.
Die Sache mit den Fahrmodi
Ein Punkt, den ich wirklich nicht nachvollziehen kann: Die Fahrmodi werden nicht dauerhaft im Profil gespeichert. Im Alltag fahre ich oft im Eco-Modus.
Auf längeren Autobahnetappen nutze ich dagegen häufig Normal oder Sport. Dass ich die Einstellung bei jedem Start erneut auswählen muss, wirkt auf mich unnötig und wäre vermutlich mit einem einfachen Softwareupdate lösbar.
Fazit nach 30.000 km
Der EV6 hat sich für mich als sehr angenehmes Langstreckenfahrzeug erwiesen. Die Ladegeschwindigkeit ist weiterhin das herausragende Merkmal des Autos. Hinzu kommen viel Platz, gute Fahrleistungen, ein zuverlässiger Antrieb und eine insgesamt hohe Alltagstauglichkeit. Ich bin mir sicher, dass der Gebrauchtwagenmarkt in 1-2 Jahren die 800 Volt Autos vermehrt schätzen wird. Die, die heute einen 800 Volt Neuwagen kaufen wollen, haben eine größere Auswahl als noch vor einem Jahr. Würde ich heute erneut einen Neuwagen kaufen, würde mir die Entscheidung für einen EV6 aber vermutlich schwerer fallen.
Fazit nach 30.500 km
Kratzer stehen dem EV6 nicht - beim Ausparken habe ich einen Findling mitgenommen.