Was schadet mehr - immer hpc lader oder 100 % laden?

  • koaschten & ihwi6 Jein, bei 80 % kann das Balancing technisch bedingt nicht wirklich präzise funktionieren.


    Es stimmt zwar, dass das BMS beim EV6 – wie bei den meisten modernen E-GMP-Fahrzeugen – im Hintergrund eigentlich permanent ein Grund-Balancing versucht, sobald der Wagen zur Ruhe kommt. Theoretisch kann das also an jeder SoC-Grenze passieren. Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied in der Präzision.


    Warum die 100 % physikalisch im Vorteil sind: Kia nutzt ein passives Balancing-System. Das BMS vergleicht die Zellspannungen und entlädt Zellen mit zu hoher Spannung über kleine Widerstände, bis die anderen aufgeholt haben. Die NMC-Zellchemie in unserem EV6 hat aber zwischen 20 % und 80 % eine extrem flache Spannungskurve (das sogenannte Plateau). Die Unterschiede sind hier oft so minimal, oft nur wenige Millivolt, dass das BMS kaum eine verlässliche Grundlage zum Eingreifen hat. Das ist wie eine Schüssel voller Murmeln: Wenn sie nur halbvoll ist, sieht man kaum, welche Murmel einen Millimeter höher liegt.


    Erst ab ca. 95 % SoC kommt die Steilkante und die Spannung steigt rapide an. Hier sieht das BMS sofort: Aha, Zelle 42 ist bei 4,18 V, während die anderen bei 4,15 V hängen. Jetzt wird Zelle 42 gezielt gebremst. Wer mit dem OBD-Scanner nachsieht, stellt oft fest, dass die Wallbox nach Erreichen der 100 % noch für 30 bis 60 Minuten mit geringer Leistung von 100 bis 300 Watt nacharbeitet. Genau in dieser Phase findet das wichtige Balancing statt.


    Melle86 Zum Thema Stress: Das Problem bei 100 % ist das Rumstehen. In diesem Zustand ist die Zellchemie unter hohem Druck. Man bekommt zwar nicht sofort einen schlechten Akku, aber auf Dauer altert er dadurch messbar schneller.


    Mein Fazit für die beste Strategie: Ja, das BMS arbeitet auch bei 80 % im Stand ein bisschen vor sich hin, wenn man ihm Ruhe gönnt und nicht alle paar Minuten per App oder HomeAssistant wachküsst. Aber für ein echtes Geradeziehen empfehle ich: Alle paar tausend Kilometer an der Wallbox auf 100 % laden, das BMS eine Stunde fertig arbeiten lassen und dann zeitnah losfahren. So sinkt der Akkustand wieder, der Stress für die Zellen wird minimiert und auf der Langstrecke kann man dann gewohnt zügig am HPC laden.


    Ich scanne meinen morgen mal mit dem OBD-Adapter bei 80 % SoC. Wenn die Differenz der Zellspannung unter 15 mV liegt, macht das BMS im Stand einen super Job. Liegt sie höher, darf er mal wieder bis zum Anschlag nuckeln. ;)


    Beste Grüße!

    Kia EV6 GT-Line AWD ( Facelift ) in Vollausstattung ( BJ 2025 ) 84 KW/h Akku in snowwhite auf 20 Zoll Felgen

  • Wer mit dem OBD-Scanner nachsieht, stellt oft fest, dass die Wallbox nach Erreichen der 100 % noch für 30 bis 60 Minuten mit geringer Leistung von 100 bis 300 Watt nacharbeitet. Genau in dieser Phase findet das wichtige Balancing statt.


    Als die alte App noch die geringe Ladeleistungen angezeigt hat, hat man gesehen, dass der EV6 das Balancing mit ca. 0,2 kW auch bei niedrigen SOC-Grenzen macht.

    #3: EV6 31.12.25 bestellt: GT weiß, GD+AHK. Nach einer Woche FIN: KNAC581E0T... Geliefert 03/2026. :)

    #2: EV6 08/23: GT-Line AWD weiß, Voll+GD+Bright. AHK GDW

    #1: EV6 05/22: GT-Line RWD, weiß, Voll+GD, AHK GDW

  • Andrei danke für die Ergänzung! Die 0,2 kW in der alten App waren quasi das Lebenszeichen des BMS.


    Man muss hier aber technisch zwischen diesem Erhaltungs-Balancing und dem echten Präzisions-Balancing unterscheiden. Bei 80 % ist die Spannungskurve der NMC-Zellen so flach, dass diese 200 Watt eher dazu dienen, die Differenzen im Zaum zu halten, damit sie nicht völlig aus dem Ruder laufen. Für eine wirklich exakte Angleichung fehlen dem BMS in diesem Bereich einfach die deutlichen Spannungsunterschiede als Datengrundlage.


    Das ist wie beim Staubsaugen: Die 0,2 kW bei 80 % sind der Saugroboter, der täglich mal kurz drüberhuscht. Das Balancing am 100 %-Anschlag ist dann der große Frühjahrsputz, bei dem das BMS durch die steile Spannungskurve erst so richtig sieht, wo es auf das Millivolt genau nachbessern muss.


    Ich bekomme morgen meinen OBD-Adapter ( da mein alter im EV6 nicht mehr funktioniert ) und werde mal schauen, was er bei 80 % SoC für eine Zellspannungs-Differenz ausspuckt. Wenn die trotz der geringen Korrekturströme niedrig ist, macht Kia da ab Werk echt einen guten Job.

    Bin gespannt, was dabei rauskommt!

    Kia EV6 GT-Line AWD ( Facelift ) in Vollausstattung ( BJ 2025 ) 84 KW/h Akku in snowwhite auf 20 Zoll Felgen

  • Ok. Dachte bisher nur wirklich langes rumstehen schadet dem Akku. Dass es schon bei 3-4 Stunden stehen schadet, wusste ich nicht (wenn man es häufig so macht)

    Aber ist es nicht auch so, dass 100% beim Akku nicht 100% sind, weil ja noch ein Puffer (Bruttokapazität) eingebaut ist?

  • Melle86 Guter Punkt mit dem Puffer, aber man muss da beim Facelift echt aufpassen. Ich hab das nochmal nachgeschaut: Wir haben jetzt zwar 84 kWh brutto und etwa 80 kWh netto nutzbar, aber diese 4 kWh Puffer sind leider nicht gleichmäßig verteilt.

    Das meiste davon sitzt beim E-GMP unten als Schutz vor Tiefentladung, damit man bei 0 Prozent im Display nicht sofort liegen bleibt. Obenrum ist dagegen kaum Luft. Wenn das Auto 100 Prozent anzeigt, sind die Zellen chemisch gesehen fast am Anschlag bei etwa 4,18 bis 4,2 Volt. Das ist genau der Bereich, in dem die Zellchemie instabil wird und die Oxidation am schnellsten abläuft, was man dann kalendarische Alterung nennt.

    Wegen der 3 bis 4 Stunden: Das Auto nimmt natürlich keinen bleibenden Schaden, wenn das mal passiert. Es geht eher um die Summe der Zeit über die Jahre. Wenn man das jede Nacht so macht, summiert sich dieser chemische Stress einfach auf. Ein Akku, der über seine Lebenszeit insgesamt viel Zeit bei so hoher Spannung verbringt, verliert einfach schneller an Kapazität als einer, der meistens zwischen 20 und 80 Prozent bewegt wird.

    Deshalb ist die Empfehlung, erst kurz vor der Abfahrt vollzuladen, technisch schon sinnvoll, um diese Stressphasen für die Chemie so kurz wie möglich zu halten. Der Puffer rettet uns also eher vor dem Batterietod durch Entladung, aber er schützt die Zellen leider kaum vor dem Verschleiß durch die hohe Spannung.

    Beste Grüße!

    Kia EV6 GT-Line AWD ( Facelift ) in Vollausstattung ( BJ 2025 ) 84 KW/h Akku in snowwhite auf 20 Zoll Felgen

  • Ok. Also je kürzer die Zeit, bei der das Auto mit 100% rumsteht, bevor man wieder fährt, desto weniger Stress ist es für den Akku (also weniger lang Stress)

    Wenn man jetzt auf annähernd 100% lädt und gleich losfährt, wird es wahrscheinlich kaum was ausmachen.

    Kann man sagen wieviel Degradation es in Summe ca nach einigen Jahren ausmacht, wenn man das Auto häufig mit 100% ein paar Stunden stehen lässt?

  • Richtig, wenn du auf 100 % lädst und direkt losfährst, ist das für den Akku chemisch gesehen absolut okay. Der eigentliche Stressfaktor ist wirklich nur die Standzeit bei dieser hohen Spannung.


    Wie viel das am Ende in Zahlen ausmacht, ist natürlich schwer auf das Prozent genau zu sagen, aber es gibt mittlerweile echt gute Langzeitdaten zu dieser Zellchemie (NMC). Wenn man sich die Statistiken von Portalen wie Recurrent Auto oder die Erfahrungen von Langzeit-Tesla-Fahrern anschaut, sieht man einen Trend:

    Ein Akku, der über 5 bis 8 Jahre ständig auf 100 % geladen wurde und dort regelmäßig mehrere Stunden oder über Nacht stand, verliert oft so 3 % bis 5 % mehr an Kapazität als einer, der überwiegend im 20-80 % Fenster bewegt wurde.

    Klingt erst mal nach wenig, aber im Vergleich sieht das dann nach ein paar Jahren oft so aus:


    - Ein top gepflegter Akku steht nach 150.000 km vielleicht noch bei 92 % bis 94 % Restkapazität (SoH).

    - Der 100%-Akku landet im selben Zeitraum eher bei 88 % bis 89 %.


    Man merkt es im Alltag am Anfang gar nicht, aber nach ein paar Jahren fehlen dir dann halt diese entscheidenden Kilometer Reichweite, wenn du sie mal wirklich brauchst. Da der EV6 die 100 % ja eigentlich nur ab und zu für das Zell-Balancing braucht, erkauft man sich das tägliche Vollladen also mit einem messbar schnelleren Verschleiß, ohne dass man im Alltag wirklich was davon hat.


    Deine Schlussfolgerung passt also perfekt: Je kürzer die Zeit bei 100 %, desto länger hat man am Ende die volle Reichweite.


    Viele Grüße :)

    Kia EV6 GT-Line AWD ( Facelift ) in Vollausstattung ( BJ 2025 ) 84 KW/h Akku in snowwhite auf 20 Zoll Felgen

  • Ok. Danke für die Ausführungen.

    Ich bekomme meinen EV6 FL voraussichtlich Ende Mai.

    Zum Laden steht eine PV-Anlage bereit und ich kann eigentlich jeden Tag ab nachmittag nachladen (also das, was man täglich verfährt)

    Da sollten die max 80% passen.

    Wenn aber die Vorhersage der Sonnenscheindauer der Folgetage nicht so gut ist, habe ich vor, auf 100% zu laden, um keinen Netzstrom zu beziehen. Ich denke mal, wenn man es nicht täglich macht, sondern 1-2 mal die Woche (mit maximal 4 Stunden Standzeit 100%) macht es im Endeffekt nicht so viel aus. Da sprechen wir dann ja von vielleicht 1-3% Degradation über Jahre.

    Zumal ich das ja nur von April bis September vorhabe. In der dunklen Jahreszeit hat man sowieso nur wenig PV Strom zur Verfügung, da würde ich also sowieso immer nur auf 80% laden, da der Strom hauptsächlich aus dem Netz kommt.