Facom
Die Rechnung mit der Binomialverteilung ist mathematisch im Kern richtig – aber die Schlussfolgerung („damit ist 1% ausgeschlossen“) ist methodisch nicht belastbar, weil die Stichprobe keine Zufallsstichprobe aus allen EV6-Fahrern ist. Ich erlaube es etwas herunter zu brechen...
- Wenn man wirklich eine zufällige, unabhängige Stichprobe von EV6 aus einer Population zieht, in der die wahre Defektwahrscheinlichkeit ist, dann ist:
- → dieser „Funfact“ stimmt.
- Treffer wären astronomisch unwahrscheinlich.
Diese Rechnung setzt voraus, dass die 100 ausgewählten Personen zufällig und repräsentativ sind und dass „Defekt“ ein einheitlich gemessener Endpunkt ist. Genau das ist hier nicht gegeben - meiner Meinung nach.
Deine Auswahl ist nicht wirklich zufällig, sondern stark verzerrt (Selection Bias)
„100 aktivste Member“ sind keine neutrale Durchmischung:
- Aktivität im Forum korreliert häufig mit Problem-/Supportbedarf, Technikaffinität, Detaildiskussionen, höherer Betroffenheit oder schlicht höherer Motivation zu posten.
- Selbst wenn jemand „auch ohne Defekt aktiv“ ist, reicht schon eine leichte Korrelation zwischen Aktivität und Problemwahrscheinlichkeit, um Quoten massiv zu verzerren. So sehe ich das.
„Aktive seit Jahren“ ≠ gleiche Exposition (Zeit-/Kilometer-Bias)
Ein ICCU-Ausfall ist typischerweise ein kumulatives Risiko über Zeit/Kilometer. Wer „seit Jahren“ fährt (Frühkäufer, Vielfahrer), hat schlicht mehr Gelegenheit, dass etwas ausfällt. Dann würde ich hier eher:
- kumulative Ausfallquote einer Frühkäufer-/Vielfahrer-Kohorte
statt
- Durchschnittsquote aller EV6 (inkl. neuer Fahrzeuge mit wenig Laufleistung).
ansetzten wollen 😉
Reporting-/Detection-Bias (wer berichtet was, wann, wie eindeutig, warum usw.?)
- „Defekt gemeldet“ ist nicht zwingend bestätigt (Fehlermeldung, Sicherung, 12V-Themen, Ladeabbrüche, Werkstattvermutung vs. getauschte ICCU).
- Negative Ereignisse werden überproportional dokumentiert, inklusive Updates („wieder kaputt“, „zweites Auto“, „lange Wartezeit“), während „läuft“ selten als eigener Post erscheint. Es gibt ja einige die hier schon "auf dem Zahnfleisch laufen" deswegen und es psychisch stark mitnimmt (Angst vor längeren Fahrten in den Urlaub oder bei Regen usw.
Auch EV6 Nutzer mit Problem schütten ihr Herz öfter aus als nicht mit Problemen behaftete.
„26 von 100“ ist nicht sauber definiert aus meiner Sicht.
Ohne klare Regeln ist unklar:
- Zählen nur ICCU-Tausch? Oder auch „ICCU-Fehlercode“? Oder „12V leer + Verdacht“?
- Zählen Mehrfachausfälle pro Person wie?
- Zählen Fahrzeuge oder Personen (bei Zweitfahrzeug-Besitzern)?
Schon sehr kleine Definitionsunterschiede verschieben so eine Quote entsprechend stark.
Es gibt aktuell (Stand Feb 2026) zwei häufig zitierte „Welten“:
-
Recall-/NHTSA-Dokumenten basierte Schätzung um ~1% (oft als „statistisch 1% der betroffenen Fahrzeuge könnten ausfallen“ formuliert). Das wird z.B. in einer InsideEVs-Einordnung so wiedergegeben. Das ist typischerweise eine Hersteller-/Recall-Schätzung und nicht automatisch die reale, beobachtete Quote über die gesamte Lebensdauer. Hatte ich auch schon etwas zu geschrieben.
-
Consumer Reports (CR) Umfragedaten: Medienberichte fassen CR so zusammen, dass ca. 2–10% der Hyundai/Kia-EV-Besitzer ICCU-bezogene Probleme melden, während andere EVs bei „~1% oder weniger“ liegen.
Das ist immer noch eine Umfrage (mit eigenen Bias-Quellen), aber methodisch näher an einer breiten Stichprobe als „100 aktivste Forenuser“.
Meine persönliche Meinung dazu: Extern findet man aktuell eher Hinweise, dass „~1%“ als pauschale Realweltquote zu niedrig sein kann, aber „10–30%“ ist damit ebenso nicht belegt. Die Spanne 2–10% wird in aktuellen Berichten explizit genannt.
Mein Urteil zu deiner Foren-Aussage (Stand 22.02.26):
- Plausibel:
- Dass die Binomialzahl „extrem klein“ ist, wenn man (fälschlich) Repräsentativität annimmt.
- Dass die reale Problemquote über einer pauschalen „1%“ liegen kann (CR-Daten deuten darauf hin).
Für mich persönlich nicht plausibel (eben meine persönliche Meinung):
- Die Behauptung, die 100 aktivsten Member hier seien „gut durchmischt“ und unkorreliert mit Risikofaktoren. Das ist eine unbelegte Annahme und in Foren typischerweise falsch.
- Die Schlussfolgerung „1% ist ausgeschlossen“ für die Gesamtpopulation. Aus dieser Stichprobe kann man nur sagen: In dieser Foren-Kohorte ist die gemeldete Quote hoch – nicht, dass alle EV6 so betroffen sind.
Wenn man es auf die Spitze treiben möchte (ich aber sicher nicht 😂):
- Kohorte definieren: z.B. „alle registrierten Nutzer vor Datum X, die ihren EV6-Trim + Baujahr + km-Stand im Profil/Thread angegeben haben“.
- Endpunkt strikt: nur ICCU tatsächlich getauscht (Rechnung/Servicebericht) oder zumindest „Werkstatt bestätigt + DTC“.
- Exposure berücksichtigen: Quote nach Baujahr und km-Bändern (0–20k, 20–40k, …).
- Dann eher „Ausfälle pro 100 Fahrzeugjahre“ oder „pro 10.000 km“ statt eine rohe Kopfquote - wäre meine Herangehensweise.
Ich habe persönlich meinen Frieden mit einer Prozentzahl oder dem Risiko eines Ausfalls gemacht.
Wollte nur etwas Feedback zu deiner Berechnung geben wie von dir gewünscht 🍀😉