Dem ist tatsächlich so. Mechaniker ohne jeden E-Schein dürfen das Auto nicht mal anfassen.
Mit E1 darf man dann am Auto arbeiten, nachdem es spannungsfrei geschaltet wurde (kann der Mechaniker selbst). Aber man darf an nix ran, was irgendwie mit orangenen Kabeln verbunden ist. Also sind Reifenwechsel, Scheibenwaschwasser auffüllen, arbeiten an den Bremsen etc. erlaubt. Auch das Niederspannungssystem (im Volksmund "12V-Kram" genannt) darf der Mechaniker beackern.
Mit E2 darfst an alles ran, wenn Spannungsfreiheit gegeben ist - außer an den Akku selbst und natürlich alles, was noch Spannung führt.
Mit E3 kannst du dann auch an spannungsführenden Teilen arbeiten, den Akku öffnen und daran Arbeiten durchführen (Zellentausch z.B., aber auch Sicherungen tauschen etc).
Leute mit E1 gibt es ne ganze Reihe, in den Werkstätten mit E-Automarken rennen einige herum. Mit E2 wird es dann schon deutlich lichter, vielleicht einer oder zwei je Werkstatt. E3 gibt es nur noch ne Handvoll in Deutschland, die Schulungen für E3 sind langwierig und sehr teuer - fast immer unerschwinglich für eine Werkstatt.
Warum das ganze ? Weil Strom erheblich gefährlicher ist, wenn er außer Kontrolle gerät, als eine Pfütze Benzin. Nur ein Beispiel von vielen: Es ist völlig egal, wenn die Arbeitshandschuhe ein kleines Loch haben, weil man versehentlich einen Nagel im Reifen übersehen hat und der durchgepiekt ist. Wunde desinfizieren und weiter geht's. Wenn Benzin da durch dringt, spielt das keine Rolle, merkt man nicht mal. Dito mit Diesel, Motoröl, Bremsflüssigkeit und so weiter.
Mit so einem minimalst perforierten Handschuh eine beschädigte 800V-Leitung anpacken endet tödlich, weil der Strom problemlos durch dieses winzige Löchlein und den Körper gen Erde abfließt. Er braucht keine Zündquelle, keine Funken, keinen Sauerstoff. Noch schlimmer: Weil es sich im Auto um Gleichstrom handelt, bleibt der arme Kerl womöglich "kleben" und jeder, der ihn anpackt, ist ebenfalls geliefert.
Darum brauchen auch die Leute in der Car-Hifi-Werkstatt einen E1. Sie müssen wissen, wo man das Auto "totlegt", damit sie nicht versehentlich mit einem verdampften Arm herumrennen müssen.