Was mich an der Diskussion immer stört, ist dass hier audiophil mit lautem Bass verwechselt wird. Audophil bedeutet aber vielmehr Klangtreue, also nicht mehr Bass oder Höhen als im Original. Für mich ist ein guter Subwoofer eben genau eines, nicht gesondert hörbar. Er sollte das Klangbild ergänzen ohne hervorzustechen.
Die Tatsache, dass man mit dem Meridian Soundsystem einen deutlichen Unterschied zwischen MP3 und Lossless Formaten hört ist für mich ein eindeutiges Qualitätsmerkmal, dass eben auch Audiophilie bedeutet. Ich verwende auch HD Formate mit höherer Auflösung als die normale Audio-CD.
Ich bin seit dem Batterie-Vorkonditionierungs-Update absolut begeistert vom Meridian Sound System, es taugt nicht als fahrende Disko, aber eben genau zum audiophilen Klanggenuss, und das nicht nur bei klassischen Aufnahmen, sondern auch bei Pop und Rock. Man muss die richtige Einstellung für sich finden und dann ist das System meines Erachtens jeden Cent wert!
Also ich persönlich habe zu keiner Zeit "audiophil" mit "viel Bass" gleichgesetzt.
Für mich bedeutet "perfekter Klang" eine saubere und differenzierte Nutzung der Frequenzen, Pegelstabilität und Klangdynamik, Bühne bzw. Stereo-Image.
Das woran es meiner Meinung nach im Gesamtbild klemmt ist aber nunmal u.a. der Bass. Aus den Türen kommt mir zu viel "halbtiefes", saubere, richtig tiefe, kaum ortbare Frequenzen (für die aber nunmal der Sub zuständig wäre) kommen zu wenig.
Eins meiner ganz persönlichen Bass-Referenz-Lieder ist "10 Gebote" von den Hosen. Punk, laut, viele Mitten, und trotzdem / obendrein eins der wenigen Lieder dieser Art, bei der die Basedrum, vor allem im Intro und im Refrain, ganz klar und sauber wahrnehmbar zwischen dem Geschrei und Geschreddere mitspielt. In meinen Hifi-Anlagen und auch in meinem vorherigen Mondeo Premium Sound System ist die so klar und rein und sauber, das ist ein Ohrenschmaus. Nein, nicht laut und wabernd, sondern präsent und das Gesamtbild vervollständigend. Im EV6 ist der Rest des Liedes wirklich gut, aber genau die Basdrum fehlt fast komplett. Dreht man den Bass im Meridian hoch, wird es aus den Türen noch "gemischter und die Tiefen gehen hoch", aber der drückende Bass fehlt einfach.
Ein anderes Lied ist für mich "the ar" von Tiamat. Auch da: Bühne und Zusammenspiel der Frequenzen aus dem Meridian eigentlich nicht schlecht, für meinen Geschmack vielleicht so bei 80%, aber alles unterhalb dem, was aus den Türen kommt (und bei dem Lied kommt da definitiv was, v.a. im atmosphärischen Mittelteil ohne Gitarren), fehlt einfach.
Audiophilie ist ja zudem auch kein Attribut der Anlage, sondern eine Eigenschaft des Hörers. Es bedeutet nur, dass jemand eine sehr differenzierte Wahrnehmung von und daran gemessen hohe Ansprüche an Klang hat. Wie die aussehen, ist damit ja gar nicht festgelegt.
Jemand, der viel elektronische Musik mit relativ plakativem Frequenzspektrum mag, kann genauso audiophil sein, wie jemand, der chorale Musik, Rockabilly oder Metal hört.
Ich stimme einigen Vorrednern zu, dass die Anlage bei bestimmter Musik, vor allem klarer, reiner Gitarrenmusik und differenzierter Instrumentalisierung (Dire Straits, Reinhard Mey, Phil Collins uvm.) wirklich gut klingt. Das liegt aber dann eher daran, dass diese Musik durch Abmischung eher auf ruhig, breit, klar getrimmt ist. Bei Knopfler geht es halt nicht, oder nur selten (Private investigations, Iron Hand) runter auf 30 Hz... Da klingen Hall-Effekte oder klarer Gesang schon von alleine prima.
Wenn es aber darum geht, ein großes Frequenzspektrum gleichzeitig, vielleicht noch mit höherem Pegel zu bedienen, geht schon etwas verloren. Viel E-Gitarre, Schalgzeug-Power, harter Gesang ohne viel Reverb - Rammstein, Paradise Lost, Metallica, Punk... das klingt für mich nicht so prall, weil die unteren Hz einfach fehlen oder nur sehr schwach wahrnehmbar sind.