Da nun für den Betrieb mit analogen Signal hardwareseitig alles fertig war habe ich einige Wochen damit verbracht mich ins Thema Einmessen einzuarbeiten.
Viele Stunden Youtube, ettliche Seiten von Forenbeiträgen und Anleitungen später, musste ich feststellen, dass jeder etwas anderes behauptet wie und in welcher Reihenfolge man es am besten macht. Also mit einer guten Idee davon wie ich es machen möchte, habe ich mir folgenden Plan zurecht gelegt und das Material dazu bestellt.
Ich beschreibe nur grob was ich gemacht habe und nicht wie, da ich hier jetzt keine ausführliche Schritt für Schritt Anleitung mit Bildern verfassen möchte. Das würde ich evtl. machen wenn ich auf das digitale sound routing umgestiegen bin, aber dazu später mehr.
Ich habe mich lange mit dem Thema Gain einstellen beschäftigt. Habe extra ein Hand-Oszi gekauft und mit REW Töne in unterschiedlichen Frequenzen für die unterschiedlichen Lautsprecher generieren lassen. Beim Einstellen habe ich mir dadurch einen HT gekillt...
Letztendlich muss ich sagen das war Quatsch. Die Anlage ist so laut, dass ich alle Gains auf 0 habe und trotzdem nicht voll aufdrehen kann.
Setzt man nämlich die Gains ans Clipping-Limit, passt dann noch die Pegel im DSP an (Siehe Punkt 8 unten) und erhöht bei den EQ-Einstellung noch bestimmte Frequenzen, clippen die Lautsprecher am Ende doch. Wie gesagt, deshalb sind bei mir alle Gains auf 0, damit ich mit den anderen beiden Punkten maximalen Spielraum habe.
1. PC-Software REW runterladen und alle Einstellungen darin vornehmen.
2. Die Frequenzgänge mit einem miniDSP Umik-1 messen. Ich habe die "moving-mic"-Variante mit pink noise gewählt.
3. Frequenzgänge analysiert, um die passende house curve und room curves zu generieren.
4. Entsprechend den room curves die crossover bestimmt und in der ESX DSP-Software eingetragen. Dafür durfte ich den Unterschied zwischen einem technischen und einem akustischen Crossover lernen. Um die ideale slope L-R 24db bei z.b. 340 Hz von der room curve des Mitteltöners zu treffen, kann es gut sein, dass man im DSP einen Butterworth 6 db Slope bei 470 Hz einstellt. Die entsprechenden Funktionen in REW helfen da ungemein.
5. Frequenzgänge erneut gemessen
6. Die EQ-Funktion in REW richtig einstellen (das hätte mir viel Ärger und Zeit erspart, hätte ich früher gewusst was und wie...) und dann ist es nur ein Knopfdruck auf match respons to target und REW spuckt alle Frequenzen, Q und Pegel aus, um die room curve zu treffen. Alle Werte HÄNDISCH in die DSP Software eintragen. Andere (z.B. Helix) bieten die Möglichkeit das über copy paste zu machen. Hätte mir auch Stunden meiner Lebenszeit gespart.
7. Frequenzgänge erneut gemessen.
8. Smoothing auf 1/1 umgestellt, damit die Kurve glatter wird. Die Kurven mit einem SPL offset versehen, damit sie die house curve treffen. Die benutzten Werte im DSP beim Pegelregler einstellen. So spielen alle Lautsprecher gleich laut. "Level-Matching"
9. Jetzt wird es interessant. Laufzeitkorrektur. Das kann man auch mit einem USB-Mikro machen aber besser ist es ein XLR-Mikro zu benutzen. Zusätzlich noch ein externes Audio-interface mit zwei Kanälen damit man mit einem sogenannten loop-back Signal arbeiten kann. Das ist eindeutig die bessere Zeitreferenz als ein akustisches Signal. Also ein Behringer ECM8000, ein Behringer u-phoria UMC202 HD Interface und nen Sack voll Kabel bestellt.
10. Alles verkabeln und REW entsprechend einstellen, Mikro fest an Hörposition angebracht und von jedem Lautsprecher einen Sweep abgespielt.
11. Über die so erhaltenen Impuls-Antworten und Phasen-Verläufe die Zeitdifferenzen der LS ablesen und in der DSP-Software einstellen. Sub zu TMT und die TMT untereinander habe ich über die Phase gemacht und die restlichen untereinander und zueinander über den Impuls.
12. Feintuning durch Summenantwort aller Lautsprecher
13. "fertig"
Das alles hat ewig gedauert und ich habe zig-fach neu angefangen, geflucht, gekratzt und gebissen aber jetzt bin ich doch sehr zufrieden damit. Ich denke das ist so das beste was man (ich 😅) aus dem verhunzten Signal der Meridian rausholen kann.
Ein learning/Problem möchte ich mit euch noch teilen, weil das mit dem digitalen Routing verschwinden wird --> Frequenzanpassung der Meridian.
Meine HT spielen gerade mal bis 11 kHz danach gehts steil bergab. Ich fürchte die Meridian beschneidet das.
Genauso das Sub-Signal. Alles unter 40 Hz...weg...nur weil dieser originale Brüllwürfel-"Sub" nicht mehr abkann.
MT-Signal komplett beschnitten. Ich musste die HT tiefer spielen lassen als sie eigentlich sollten und die TMT höher als ich es wollte. Dann dachte ich: Ach nimm doch das TMT+HT-Signal das ist bestimmt fullrange weil ja eine passive Weiche in Form eines Kondensaorts am HT hängt. Also Routing im DSP geändert und siehe da. Pusteblume...gar nicht...das was der MT bekommt haben die aus dem TMT+HT Signal komplett rausgeschnitten.
Dann als ich fast mit allem fertig war und ich mit der Grütze leben wollte kam mir noch eine Idee. 50% des MT und 50% des TMT+HT-Signals auf den MT routen. Gemessen und juhu es war alles da. Erst glücklich aber dann angenervt, weil ich dann alles nochmal neu einmessen musste.
14. Die ESX hat zusätzlich zum output-eq auch einen input-eq. Den möchte ich noch nutzen, um den Frequenzgang noch weiter zu glätten, aber da muss ich sehr vorsichtig sein, weil ja jetzt TMT, MT und HT je Seite ja alle das selbe Eingangssignal bekommen.
15. Alles auf digitales Routing umstellen und von vorne beginnen aber dazu gibt es einen neuen Beitrag.