Mit EV6 und Wohnwagen nach Großbritannien

  • Ende 2025 haben wir unsere Urlaubsplanung für 2026 gemacht und für unseren Sommerurlaub in Großbritannien Fähren und Campingplätze weitestgehend gebucht – damals sind wir noch davon ausgegangen, dass wir wie die letzten fünf Jahre vorher mit unserem Kia Niro Plugin-Hybrid fahren würden – aber Leben ist das, was passiert, während man Pläne macht…

    Planänderung

    Der Plan war am Sonntag den 30.5.2026 nach Hoek van Holland auf den Campingplatz Jagtveld zu fahren und 2 Tage später mit der Fähre nach Harwich überzusetzen. Aber dann kam ich auf die Idee mal wieder nach E-Autos Ausschau zu halten, die unseren rund 1.000 kg leichten Chateau Chiara an den Haken nehmen können. Gerne hätten wir das schon gut fünf Jahre früher – Ende 2020 – gemacht, aber das Angebot an E-Autos, die dazu in der Lage gewesen wären, war sehr überschaubar und schlicht nicht finanzierbar. Dabei stellten sich Anfang Mai sehr schnell drei infrage kommende Modelle heraus: Kia EV6 GT-line, Hyundai Ioniq 5, Volvo EX40. Allen dreien gemeinsam ist – neben einer großzügig ausreichenden Anhängelast, dass sie V2L-fähig sind und unabhängig von einem Stromnetz-Angebot 230 V/50 Hz/3,6 kW an ext. Verbraucher abgeben können und somit auch einen hohen Komfort mit dem Wohnwagen autark zu stehen ermöglichen. Kurz nach Beginn der Recherche gab es für mich zwei große Überraschungen:

    • Der EV6 und Ioniq 5 haben ein sehr attraktives Preisniveau für junge Gebrauchte
    • Für unseren Niro mit 95.000 km und einem Alter von fünf Jahren gab es noch deutlich über 10.000 €.

    Nach ein paar Probefahrten, einmal drüber schlafen haben wir zugeschlagen und einen zwei Jahr alten Kia EV6 GT-line, Modelljahr 2024, 168 kW (223 PS) Heckantrieb, Assist plus, 77,4 kWh Batterie in Auroraschwarz gekauft. – Zwei Wochen vor unserer geplanten Abreise. Ein Haken fehlte aber noch: Die Anhängerkupplung. Wir hätten zwar „zur Not“ auch mit dem Niro nochmal fahren können, aber haben uns in den Kopf gesetzt mit dem neuen fahren zu wollen.


    Dann am Freitag, den 29. Mai der Anruf vom Autohaus, die Hängerkupplung ist da, wird montiert, eine Inspektion durchgeführt und am Montag 1.6. könnte ich das Auto am Vormittag abholen – nach ein paar Bedenkminuten: Ja, so machen wir’s! – Fahren wir eben am Montagnachmittag los.


    Der 1.6. um 10:00 bin ich im Autohaus und wartete nur kurz, bis ich die Fahrzeugpapiere bekam, denn das Auto muss ja noch zugelassen werden – ja, ein Versicherungsvertrag war schon abgeschlossen, eine mehr oder weniger sinnvolle Auswahl an Ladekarten für Großbritannien auch beschafft, dazu später mehr – für 12:00 hatte ich einen Termin in der Zulassungsstelle ergattern können, Autos tauschen und gegen 13:30 war ich dann zu Hause. Der Wohnwagen war schon seit ein paar Tagen fertig gepackt, das Auto wurde eher zügig gepackt und bekam direkt ein neues Utensil in den Kofferraum: Einen Kaffeevollautomaten, der über das Bordnetz problemlos versorgt werden können sollte!

    Es geht los

    Gegen 15:00 ging es dann los, Ladestand des Autos: 77 %, Ziel Campingplatz Jagtveld in Gravenzande/Hoek van Holland, Strecke 250 km, 2 Ladestopps geplant.


    Whow, einfach nur whow, was für ein Fahrerlebnis mit dem EV6 und einem gute 1.000 kg leichten Wohnwagen an der Anhängerkupplung. Fast geräuschloses Fahren, nur das Klappern aus dem Kofferraum, von ein paar nicht optimal verstauten Dingen, das Rauschen der Lüftung und gelegentliches ein leises Surren des Motors beim Beschleunigen um auf die Autobahn aufzufahren. Großartig! Schon nach den ersten paar Kilometern bin ich einfach nur begeistert und könnte fast vergessen, dass hinten eine rund 1.000 kg schwere Schrankwand am Haken hängt – der Niro hat mich das nie vergessen lassen. Der EV6 dagegen liegt wie ein Brett auf der Straße.


    Erster Ladestopp nach knapp 80 km bei FastNed Groote Bleek, Niederlande. Ich öffne die App und die Goldmembership wird mir zu einem Aktionspreis von 5,99 €/M statt 11,99 €/M angeboten – ein No-Brainer, 34 kWh mehr in der Batterie für 18,34 € (54 ct/kWh) geht’s auch schon 14 min später direkt weiter, denn FastNed-Ladestationen in NL sind in aller Regel gespanntauglich – es muss nicht abgekoppelt werden.


    Zweiter Ladestopp FastNed Streepland nach 94 km, 16 kWh, 8,62 €, 7 min.


    In Streepland haben wir nur ein kleinwenig nachgeladen um sicher den Campingplatz erreichen zu können, denn leider kommen wir insgesamt nicht so schnell voran, wie erhofft, da es sich aufgrund des Berufsverkehrs immer wieder staute – nur wenige Minuten bevor der Check-in zum Campingplatz schließt, erreichen wir unser erstes Zwischenziel, Campingplatz Jagtveld, Gravenzande – und das war hochgradig unkompliziert, unsere Platznummer kannten wir von der Buchung, es war vollständig bezahlt, die Schranke öffnet sich automatisch aufgrund unseres Kennzeichens.


    Der EV6 kann am auf dem Patz befindlichen AC Charger direkt nachladen, 29,3 kWh, 17,01 € via Electroverse-Karte für 58 ct/kWh in 2h 37 min.


    Zwischenstand: 253 km, 79,3 kWh à ca. 31,3 kWh/ 100 km im Gespann für die erste Etappe, der adaptive Tempomat stand auf max. 85 km/h. Ein deutlich besserer Wert als ich es im Vorfeld erwartet habe und genaugenommen etwas zu hoch, da in Jagtveld bis 80 % nachgeladen wurde, 3 Prozentpunkte mehr als bei Abfahrt.


    Unsere weitere Route in UK:

    Harwich, Telford (Midlands), Keswick (Lake District), Slingsby (Yorkshire), Harwich

    Das Kia-Navi ist Mist!

    Mehrfach im Urlaub waren die Anfahrten zu Chargern völliger Mist! Nur weil die Straße im Navi auf der falschen Seite der Mauer/Zaun/Grünstreifen/.... ein My dichter ans Ziel führt, wird dorthin navigiert anstatt zur Zufahrt des Ladeparks. Einmal hatte ich sogar das zweifelhafte Vergnügen mit dem Gespann am Ende einer Sackgasse zu stehen (nein, es war nicht vorher zu sehen!). Regelmäßig waren POIs deutlich off - bis zu dreihundert Meter. In Google Maps und ABRP dagegen korrekt hinterlegt.

    Fazit

    Ohne nun auf weitere Details unseres Urlaubs einzugehen….

    In UK musste ich immer abkoppeln, dabei kommt schnell Routine auf und mit der auf den Haken blickenden Rückfahrkamera ist das schnell erledigt.

    Insgesamt sind wir von Tür zu Tür 2832 km im Urlaub gefahren, davon ziemlich genau 1600 km im Gespann.


    Durchschnittlicher Verbrauch:

    • 302 Wh/km mit Wohnwagen am Haken
      (Adaptiver Tempomat meist auf 85 km/h eingestellt, selten etwas mehr, der Wohnwagen hat keine hunderter Zulassung, die mir im Ausland eh nichts nützt.)
    • 160 Wh/km Fahrten vor Ort
    • 240 Wh/km über alles

    Alle Verbrauchsangaben sind ab Stecker, also inkl. Ladeverluste.


    223 kWh konnten wir ohne gesonderte Berechnung und ausdrückliche Erlaubnis auf den Campingplätzen des Camping- and Caravaning Clubs über einen Ladeziegel laden.

    457 kWh haben wir in NL & UK für durchschnittlich 63,4 ct/kWh geladen (inkl. Abokosten für FastNed Gold und Ionity Power).


    Nie wieder will ich mit einem Verbrenner fahren müssen – auch nicht mit Wohnwagen am Haken in den Urlaub. Ja, es gibt Nachteile! Nein, die Reichweite ist aus meiner Sicht keiner! Die knapp 200 km haben perfekt zu unserem Fahrverhalten gepasst. Realistisch betrachtet sind das 2 – 3 Stunden Fahrzeit zwischen zwei Pausen. Spätestens dann drückt mir oder meiner Frau wieder die Blase, ich möchte mir die Beine vertreten, eine Kleinigkeit essen. Es hat sich für uns praktisch nichts geändert und das Auto war meistens vor uns fertig. Wir sind nicht auf der Flucht sondern im Urlaub - der Weg ist das Ziel!

    EV6 GT-line, Assist+, WP, Mj. 2023, RWD, 168 kW, 77,4 kWh, mit AHK, Auroraschwarz

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  • Teil 2 ("ihre Nachricht ist zu lang")

    Ladekarten Großbritannien

    Laden in Großbritannien ist teuer! Wir hatten das Glück überwiegend auf Campingplätzen des Camping and Caravaning Clubs zu stehen. Dort durften wir ausdrücklich mit dem am Wohnwagen angeschlossenen Ladeziegel ohne weitere Kostenberechnung frei laden. Meine Empfehlungen nach drei Wochen…


    Den Wohnwagen mussten wir in UK immer abkoppeln, wir haben nie eine Möglichkeit gefunden angekoppelt zu laden. An den „Services“ der Motorways gibt es immer Caravan-Parkplätze und mensch kann problemlos zwischen Ladepunkten und Caravanparkplatz hin und her fahren. Die Raststätten sind in aller Regel eher wie Autohöfe angelegt.


    Ladestationen befinden sich gar nicht so selten auf „Pay-and-Display“ Parkplätzen oder Parkplätzen von Hotels. Unbedingt die Parkplatzkosten zahlen bzw. an der Rezeption die Kennzeichen (Plural, auch den Anhänger!) registrieren, es drohen sonst hohe Vertragsstrafen, die auch in Deutschland eingetrieben werden. Einfach so laden ohne Parkgebühren gibt es so gut wie gar nicht – außer an den Services der Motorways und den meisten Supermarktparkplätzen.

    • Ionity, via App oder Karte völlig unkompliziert, sehr großzügige Ladeparks
      ab 46 p/kWh (ab 53,4 ct/kWh) mit Ionity Power
      Gute Verbreitung entlang der Motorways
    • Freshmile, vereinzelt attraktive Ladepreise bei Fremdanbietern für 30 ct/kWh + 30 ct/min, bei einer Ladeleistungen im Schnitt von 180 kW also 40 ct/kWh, lohnt sich bei den sonst üblichen Preisen in UK bereits bei Ladeleistungen ab 60 kW.
    • Instavolt (teilweise via Freshmile nutzbar), mit deren App für eine Lade-Session, die zwischen 20:00 – 7:00 gestartet wurden für 55 p/kWh (ca. 64 ct/kWh), Vorsicht, keine Kreditkartendaten hinterlegen, die buchen sonst regelmäßig Geld ab, besser als Guthabekonto nutzen
      eher mäßige Ladeleistung, aber gute Verbreitung auf Supermarktparkplätzen
    • Electroverse, ist die eierlegende Wollmilchsau und funktioniert fast an allen Ladepunkten – ist aber nicht unbedingt die günstigste Variante
    • Fastned UK – deutsches Fastned-Abo funktioniert nicht, es gibt immer eine Fehlermeldung zur hinterlegten Zahlungsmethode
      Via EWE Go 62 ct/kWh und damit letztlich günstiger als via Fastned in UK
      Nachteil, Fastned UK ist nie gespanntauglich, anders als in NL.
    • Shell Recharge UK – nicht kompatibel mit Shell Recharge Deutschland
      via Chargemap, 59,5 ct/kWh
      via Maingau Autostrom 72 ct/kWh
    • E.On Drive per App für 62 ct/kWh
    • Tesla SuperCharger, gute Verbreitung, dynamische Preise, Ladekabel für den EV6 auf der falschen Seite – mag für die Eine oder den Anderen eine Option sein, für uns nicht, aus Gründen!


    Forget it…

    • Be.EV – weit verbreitet, aber nur zu Mondpreisen, die App, die günstigere Preise ermöglicht ist auf deutschen Telefonen nicht installierbar
      Wem es doch gelingt die App mit einer Zahlmethode zum Laufen zu bekommen, kann off-peak für britische Verhältnisse sehr günstig laden: von 19:00 – 7:00 39 p/kWh (45,2 ct/kWh).
      Quelle: https://be-ev.co.uk/charging/pricing/
    • Gridserve, weit verbreitet an den Motorways, aber Mondpreise von 82 – 89 p/kWh (95 -103 Ct/kWh)
    • Pogo-Charge, immer wieder mal bei McDonalds/Costa/… - 68 p/kWh (79 ct/kWh)

    EV6 GT-line, Assist+, WP, Mj. 2023, RWD, 168 kW, 77,4 kWh, mit AHK, Auroraschwarz